20.05.2024

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Carl Loewe: Sein Herz wurde in der  Stettiner Kirche beigesetzt, wo man  sich nun auch dem Erbe des Tondichters und Kantors stellt
Foto: WikipediaCarl Loewe: Sein Herz wurde in der Stettiner Kirche beigesetzt, wo man sich nun auch dem Erbe des Tondichters und Kantors stellt

145. Todestag

St. Jakobi birgt des Kirchenmusikers Herz

Der Komponist Carl Loewe, auch pommerscher Balladenkönig genannt, wirkte 46 Jahre in Stettin

Thorsten Seegert
21.04.2024

Der Sockel des am 30. November 1897 eingeweihten Denkmals am kleinen Vorplatz des westlichen Portals der Stettiner Jakobikirche steht noch, doch die musizierenden Putten und ihr Meister, der als Tondichter mit seiner Rechten den Taktstock führte, sind längst abgeräumt. Es handelte sich um ein Denkmal des Komponisten Carl Loewe (1796–1869).

Ungewöhnlich ist bis heute die noch immer bestehende Verbindung des Musikers mit Pommern, obgleich er hier weder geboren noch gestorben ist. Nach seinem Studium der Theologie kam der Musiker aus Löbejün (unweit von Köthen) nach Stettin, um seiner Verlobten Julie von Jacob eine gesicherte Stellung bieten zu können. Hier wirkte Loewe als Kantor und Organist von St. Jakobi sowie als Gesangslehrer am Marienstifts- und Stadt-Gymnasium, wo er auf Ludwig Giesebrecht traf, von dem er zahlreiche Texte vertonten sollte. Schon zu Beginn der46 Jahre seines Schaffens in Stettin wurde er in Anerkennung seiner Leistungen zum städtischen Musikdirektor ernannt.

Einen ersten Schicksalsschlag erlitt der Meister allerdings, nachdem Julie Loewe, die er seinem „lieben Stettin“ zugeführt hatte, bereits nach anderthalb Jahren Ehe starb. So heiratete Loewe nach einer einsamen Phase seines Lebens 1825 Auguste Lange.

Seiner Verpflichtung folgend, veranstaltete er zahlreiche Musikfeste, gründete den Pommerschen Chorverband und bereicherte mit seinem musikalischen Werk das kulturelle Leben Stettins nachhaltig. Seine Rastlosigkeit blieb ihm auch während der Sommerferien erhalten, wo er von 1831 bis 1847 zahlreiche Konzertreisen unternahm.

Dieser Raubbau an seiner Gesundheit forderte dann jedoch 1864, mitten in seiner Arbeit zum letzten Oratorium „Der Segen von Assisi“, seinen Tribut. Der Künstler erlitt einen ersten Schlaganfall, 1866 einen zweiten. Der Stettiner Magistrat verlangte nun den Rücktritt des Meisters. Der fiel ihm sichtlich schwer, vor allem wegen seiner inneren Bindung zur Orgel der Jakobikirche. Am Morgen des 18. April 1869 ereilte ihn dann ein weiterer Schlaganfall, dem er zwei Tage später letztlich erlag.


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