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Stillstand: Waggons so weit das Auge reicht in Königsberg
Foto: J.T.Stillstand: Waggons so weit das Auge reicht in Königsberg

Königsberger Eisenbahn

Stau auf der Schiene sorgt für Verdruss

Beladene Waggons stehen bei Avtotor – wichtige Verbrauchsgüter aus Litauen fehlen

Jurij Tschernyschew
07.12.2021

Im Königsberger Gebiet gestaltet sich die Lage im Schienengüterverkehr derzeit schwierig. Der große Rangierbahnhof kann die Frachtströme nicht mehr bewältigen und ist überlastet. Die regionale Niederlassung des Verbands der Industriellen und Unternehmer sowie die Industrie- und Handelskammer von Königsberg bestätigen die problematische Situation.

Laut Angaben der Königsberger Eisenbahn stauen sich Waggons mit Containern im nördlichen Ostpreußen, weil Litauen aufgrund von Reparaturarbeiten an mehreren Abschnitten der litauischen Eisenbahn seit Monaten keine leeren Waggons aus dem Königsberger Gebiet passieren ließ. Infolgedessen ist die Exklave mit stehenden Eisenbahnwaggons überfüllt. Eine der Ursachen der Streckenüberlastung ist die Tatsache, dass die Königsberger Eisenbahn dem chinesischen Transitverkehr entlang der sogenannten Neuen Seidenstraße dient. Der Warentransit durchs nördliche Ostpreußen hat in letzter Zeit deutlich zugenommen.

Einfluss der Neuen Seidenstraße

Mitte September meldete die Unternehmensgruppe Avtotor, das größte Industrieunternehmen der Region, als erstes Probleme. Wegen des schleppenden Bahntransports standen die Züge mit den bei Avtotor montierten Pkw tagelang auf den Gleisen. Würde das Werk die Produktion einbstellen, hätte das zur Folge, dass der Königsberger Hafen mit beladenen Containern voller Autoteilen überfüllt wäre und keine neuen Schiffe mehr den Hafen anlaufen könnten.

Auch in umgekehrter Richtung gab es Probleme bei der Lieferung von Produkten ins Königsberger Gebiet, die nicht in der Region hergestellt werden können. Insbesondere die Bauunternehmen der Region beklagten einen Mangel an Zement und warnten davor, dass sich die Situation auf das Bautempo und die Endkosten von Wohnungen auswirken könne. Es wurde auch von Treibstoffmangel berichtet. Erst nachdem all diese Beschwerden bekannt geworden waren, fand in Königsberg eine Sitzung der Regionalregierung statt, an der regionale Behörden, Verkehrsunternehmen und Vertreter der Eisenbahn teilnahmen. Resultat: Die Situation sollte zunächst beobachtet werden.

Hat die Bahn sich übernommen?

Wirtschaftsvertreter der Region geben der Russischen Eisenbahn eine Mitschuld an der Krise. In den vergangenen Monaten sei der Transit von Containern aus China nach Europa über das Königsberger Gebiet forciert worden. Die Bahn sei auf einen solch hohen Anstieg des Containertransports nicht vorbereitet gewesen.

In diesem Jahr blickt die Exklave auf beeindruckende Ergebnisse im Containertransit zurück. In den ersten sieben Monaten hat sich das Volumen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum vervierfacht. Doch trotz dieser unbestrittenen Erfolge wies ein Wirtschaftsvertreter darauf hin, dass viele Probleme bei der Versorgung der russischen Exklave mit wichtigen Gütern nicht konsequent gelöst werden konnten.



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Kommentare

Siegfried Hermann am 07.12.21, 09:18 Uhr

Was den Container-Transport angeht schon seltsam, das nicht über Memel dem größten Containerhafen an der Ostsee abgewickelt wird, mal von der Mär des pösen. pösen Russland abgesehen.

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