02.02.2026

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Baustopp gefordert

Tickende Zeitbombe: Rückbaukosten

Der Windpark im Reinhardswald wird jetzt zum Prüfstein für die gesamte Windbranche

Dagmar Jestrzemski
02.02.2026

Die Nachricht dürfte wohl alle Windparkbetreiber und Verpächter von Flächen für Windparks aufgeschreckt haben: Das Aktionsbündnis „Rettet den Reinhardswald“ fordert vom Landkreis Kassel den sofortigen Baustopp des Windparks im Reinhardswald, dem „Märchenwald“ der Brüder Grimm. Grund ist, dass die Sicherheitsleistung für die Rückbaukosten von knapp drei Millionen Euro, die beim Landkreis Kassel für den späteren Abriss der 18 Windkraftanlagen zurückgelegt wurden, nicht ausreicht. Der Bau des Windparks hätte überhaupt nicht beginnen dürfen, da die Bürgschaft viel zu niedrig angesetzt worden sei.

Das Bündnis fordert, die Rückbaukosten sofort durch ein Fachgutachten klären zu lassen. Der Bau des Windparks müsse sofort gestoppt werden. Verantwortlich für den Rückbau sind die Betreiber oder, sollte das Unternehmen insolvent sein, die Verpächter der betreffenden Wald- und Agrarflächen. Im hiesigen Fall ist es eine „Energiegenossenschaft“. Für die Rückbaukosten der im Bau befindlichen Windkraftanlagen wurde der Windenergie-Erlass Niedersachsen von 2016 zugrunde gelegt, der sich auf ältere Regelungen bezieht. Obwohl sich die Rahmenbedingungen seither dramatisch verändert haben, wird die Formel „Nabenhöhe des Turmes mal 1000 Euro“ immer noch in Anspruch genommen. Das Aktionsbündnis befürchtet aber Kosten in dreistelliger Millionenhöhe für den Abriss der Windräder einschließlich der Kosten für die anschließend erforderliche Wiederherstellung der Waldböden und die Wiederaufforstung der betroffenen Flächen.

Die Windräder im Reinhardswald vom Typ VESTAS V150-5,6 MW haben eine Gesamthöhe von 241 Metern und einen Rotordurchmesser von 150 Metern bei einer Rotorblattlänge von 75 Metern. Die Flächengröße der ausgehobenen Löcher für die Fundamente ist 60 mal 80 Meter. 2011 betrug die Länge der Rotorblätter für gängige 2 bis 3 MW Onshore-Anlagen 40 bis 50 Meter. Die Turmhöhe bewegte sich zwischen 70 und 100 Metern. Damals bereits wurden die Rückbaukosten für eine Zwei-MW-Onshore-Windanlage mit 60.000 Euro zu niedrig angesetzt. Bei den Windrädern heutiger Dimension müssen zudem weitere Kostenfaktoren berücksichtigt werden. Dies sind die exponentiell steigenden Mengen an karbon- und glasfaserverstärkten Verbundstoffen der Rotorblätter (CFK und GFK), die der Wiederverwertung zugeführt werden müssen. Gegenüber der EU-Kommission haben sich Windparkbetreiber wie Vattenfall verpflichtet, bis 2030 sämtliche PFAS-haltigen Kunststoffe der Windkraftanlagen zu recyceln. Nicht ohne Grund wurde der Termin seit 2020 in immer weitere Ferne gerückt. Doch es gibt dafür nach wie vor kein industrielles Verfahren. Ein sehr kleiner Anteil von GFK wird kostspielig „upgecycelt“, etwa für Skier. Überwiegend werden die fest verklebten Verbundstoffe verbrannt. Der Kostenfaktor für das Recycling der CFK ist weiter eine Blackbox. Sollten die Klagen erfolgreich sein, wären die Investoren früher als erwartet mit den Rückbaukosten konfrontiert, ohne zuvor die garantierte Einspeisevergütung 20 Jahre lang kassiert zu haben.


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