28.11.2022

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Ragnit

Tilsiter nach altem Rezept

Im Deutschen Haus gibt es neben einem Restaurant eine Käserei und Zimmervermietung

Jurij Tschernyschew
03.08.2022

Das Königsberger Gebiet ist reich an Kontrasten. In der Stadt Königsberg und an der Küste entwickelt sich rasch neue Infrastruktur – Wohnsiedlungen, Hotels, Pensionen, Restaurants, Plätze, Erholungsgebiete, Konzerthallen und Kinos, Kasinos sowie neue Parks entstehen.

Dies kann man von den östlichen Randgebieten im nördlichen Ostpreußen nicht gerade behaupten. Sie wiesen bisher einen Entwicklungsrückstand auf. Die Geschäfte schlossen, die Menschen zogen weg, und Touristen verirrten sich kaum dorthin, da es außer verfallenen Häuserfassaden und kaputten Straßen oft wenig zu sehen gibt.

Die Stadt Ragnit, zehn Kilometer von Tilsit entfernt, direkt an der Grenze zur Republik Litauen, ist ein Beispiel dafür. In den 1990er- bis 2000er-Jahren war die Stadt verfallen und von ihren Bewohnern verlassen worden. Erst in den letzten Jahren hat eine Veränderung eingesetzt. Die Coronavirus-Pandemie und die geschlossenen Grenzen haben das Interesse an Reisen nicht nur an die Strände, sondern auch in die entlegenen Winkel der Königsberger Exklave geweckt. Und Ragnit ist zu einem attraktiven Touristenziel auf der Landkarte der Region geworden. Die Menschen kommen jetzt sowohl aus der gesamten Region als auch aus anderen Teilen der Russischen Föderation. 2021 besuchten rund 30.000 Touristen Ragnit, und viele von ihnen besuchten das berühmte Deutsche Haus.

Das Gebäude in der Polnischen Straße [ul. Pobeda 51a] beherbergt seit 1792 das Deutsche Haus mit Restaurant und Gästezimmern. Im 19. Jahrhundert nahm der Daubas-Kurweg seinen Anfang im Restaurant Deutsches Haus. Dieser führte entlang des linken Memel-Ufers bis in die sogenannte Litauische Schweiz durch einen hügeligen Mischwald.

Das Deutsche Haus bestand bis 1945. Nach dem Krieg wurde das Hotel geschlossen, das Restaurant jedoch weiterbetrieben. Der geräumige Saal mit hohen Decken wurde für Filmvorführungen und Bankette genutzt. In der Folgezeit verfiel das Gebäude und wurde baufällig. Im Jahr 2012 kaufte der Unternehmer Ivan Artjuch die Anlage. Ihm gehört eines der größten Wäschereiunternehmen der Region. Er wurde auf das Gebäude in Ragnit aufmerksam und beschloss, es zu erhalten. Er beschloss, in das ehemalige Hotel zu investieren und es zu vermieten.

Da es jedoch niemand mieten wollte, beschloss der Investor, es selbst zu tun. Anfangs verlief das Geschäft mit dem Restaurant recht reibungslos. Doch 2014, nach der Einführung des Lebensmittelembargos, als die Einfuhr von Käse aus dem Ausland verboten wurde und Lieferanten aus Litauen und Polen den Königsberger Markt verließen, kam die Idee auf, selbst Käse zu produzieren.

Im Oktober 2016 wurde die handwerkliche Käserei Tilsit-Ragnit in Ragnit eröffnet. Der Käse wird im Hinterhof des Restaurants hergestellt. Das Hauptprodukt der Käserei ist der Tilsiter Käse, der von Schweizern erfunden wurde, die vor fast 200 Jahren nach Ostpreußen zogen, und der in Tilsit hergestellt wurde, woher er seinen Namen erhielt. Französische Kritiker bezeichneten ihn damals als „Frischkäse mit Scheunenaroma“.

Die Käserei Ragnit nutzt das alte Rezept und erzielt ein ähnliches Ergebnis wie das Original. Der Geschmack ist zwar nicht der eines Heuschobers, aber er ist ebenfalls sehr ausgeprägt.

Insgesamt werden in Ragnit 13 Käsesorten hergestellt: Cachotta, Gouda, Alpkäse, Camembert, Emmentaler und weitere Sorten. Es gibt auch Unterarten mit Zusatz von Kreuzkümmel, Paprika oder Basilikum. Der Käse kann direkt im Geschäft gekauft und im Restaurant probiert werden. Auf dem Schild über dem Eingang steht, dass es sich um das Deutsche Haus handelt, ein 1792 gegründetes Restaurant und Hotel. Das Erdgeschoss des Deutschen Hauses verfügt über mehrere Räume, ein Restaurant, einen Bankettsaal und einen Verkostungsraum. Für Reisegruppen werden Kurse in der Käseherstellung angeboten. Die Zahl der Besucher steigt.



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Kommentare

Gustav Leser am 15.08.22, 18:19 Uhr

Gorbatschow bot um 1990 die Rückgabe Ostpreußens an

Die Anglo-Besatzungsmächte untersagten der Bundesregierung die Annahme dieses freundlichen Geschenks von russischer Seite.

Und auch das ist noch nicht die ganze Wahrheit.
Denn wer tobte damals am lautesten gegen die Rückgabe?
Warschau natürlich.
Wie jetzt wieder bei Nordstream 2.

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