27.09.2021

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Energiewende

Umwandlung von Agrar- in Industrieland birgt Gefahren

Preisverfall für landwirtschaftliche Produkte und hoher Konkurrenzdruck –immer mehr Landwirte wollen Photovoltaik-Anlagen auf ihren Feldern bauen

Norman Hanert
02.08.2021

Nach Landschaften, die durch Windräder verspargelt werden, und großflächigen Monokulturen für Energiepflanzen greift im Zuge der Energiewende nun eine weitere Entwicklung in den ländlichen Regionen um sich. Investoren und Landwirte wollen immer öfter Ackerflächen oder Grünland in Solarparks umwandeln. Besonders ambitionierte Pläne gibt es für die Uckermark im Nordosten des Bundeslandes Brandenburg. Für diesen relativ sonnenreichen Teil Brandenburgs liegen nach Informationen des Senders rbb mittlerweile Anfragen von Investoren zum Bau von Solaranlagen auf 1500 Hektar vor. Besonders groß fällt ein Projekt aus, das im Boitzenburger Land geplant ist. Dort will ein Landwirt drei Fotovoltaik-Anlagen auf etwa 200 Hektar Ackerflächen bauen. Zur Begründung führt der Landwirt an: „Die Bedingungen für landwirtschaftliche Betriebe sind in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden.“ Ganz konkret verweist der Agrarunternehmer auf einen Preisverfall für Landwirtschaftsprodukte und hohen Konkurrenzdruck. Als weiteren Grund, sich nach Alternativen umzuschauen, führt der Landwirt das Problem langer Trockenheit an: „Wir haben mittlerweile Trockenperioden von vier, fünf, sechs Wochen, wo wir keinen Regen mehr bekommen haben, und das zeichnet sich deutlich in den Erträgen ab.“

Landwirte zahlen drauf

Die Argumente sind nachvollziehbar. Ein Blick in die USA zeigt jedoch, dass mit der Umwandlung von Ackerflächen in Solaranlagen auf die Landwirtschaft insgesamt ein Problem zurollt. In den USA hat der Trend zu Solarfarmen im ländlichen Raum bereits einige Jahre früher als in Deutschland eingesetzt. Zu beobachten war dabei ein Verdrängungswettbewerb: Sobald die Landwirte mit Solarfirmen um landwirtschaftliche Flächen konkurrieren, treibt dies schnell die Pachtpreise in die Höhe. In diesem Rennen sind es regelmäßig die Farmer, die bei den Preisen nicht mehr mithalten können, die von den Energieversorgern geboten werden. Auch hierzulande zahlen Betreiber von Solaranlagen mittlerweile jährliche Pachtpreise von bis zu 2000 Euro je Hektar. Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnittspreis bei Neuverpachtungen von Ackerland liegt derzeit bei 430 Euro je Hektar.

Da die Pachtverträge über Jahrzehnte laufen, können die Verpächter sogar über einen langen Zeitraum mit hohen Einnahmen rechnen. Als Folge stehen allerdings immer mehr Flächen nicht mehr für die landwirtschaftliche Produktion zur Verfügung. In den USA war in einigen Regionen des Nordostens schließlich sogar ein Verschwinden der Landwirtschaft zu beobachten. Nach den Erkenntnissen des Ökonomen Ron Heiniger, der sich an der North Carolina State University schon länger mit der Solarproblematik im ländlichen Amerika beschäftigt, führt die Verdrängung der Landwirtschaft durch Solaranlagen auch zur Abwanderung weiterer Unternehmen, etwa von Händlern und Dienstleistern. Diese Entwicklung des ländlichen Raums ist möglicherweise sogar dauerhaft:

Durch die in die Höhe getriebenen Pachtpreise rechnet sich eine landwirtschaftliche Nutzung der Böden gar nicht mehr. Der Agrarökonom Heiniger hat zudem auf die Gefahr hingewiesen, dass die Ackerböden durch die Solarfarmen langfristig runinert werden. Die Betreiber sind nämlich gezwungen, gegen das Aufkommen von Unkräutern oder Sträuchern unter den Solarpaneelen vorzugehen. Dazu greifen die Betreiber der Anlagen zum Teil auf Herbizide zurück, zum Teil aber auch auf Unkrautschutzgewebe, das mit Kies bedeckt wird. Ob sich solche Flächen nach Jahrzehnten überhaupt noch als Ackerflächen eignen, wird sich erst in der Zukunft erweisen. Fraglich ist ebenso, ob sich die bereits in den USA zu beobachtende negative Entwicklung hierzulande noch verhindern lässt.

Verlust landwirtschaftlicher Flächen

Bundes- und Landesregierungen sehen derzeit im Ausbau der „erneuerbaren Energien“ eines ihrer wichtigsten Politikziele überhaupt. Bereits seit 2017 haben die Bundesländer die Möglichkeit, selbst Freiflächen für Photovoltaik festzulegen. Bayern und Baden-Württemberg nutzen diese Möglichkeit bereits und erlauben die Errichtung von Solarparks auf Ackerflächen. In Rheinland-Pfalz sind Solaranlagen bislang nur auf Grünland in benachteiligten Gebieten möglich.

Der Schweriner Landtag beschloss im Juni auf Antrag von SPD und CDU, auch in Mecklenburg-Vorpommern die Errichtung von großen Solaranlagen auf Ackerflächen zu ermöglichen. Freigeben will das Land nach Angaben von Landeslandwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bis zu 5000 Hektar. Der Trend zur Umwandlung von Landwirtschaftsflächen zur Erzeugung von Solarstrom ist umstritten:

Der Bayerische Bauernverband (BBV) sprach sich in einem Positionspapier ganz generell für den Ausbau von Fotovoltaik als zusätzliches Standbein für Landwirte aus. Allerdings sollten nach Ansicht des Verbandes dafür vorrangig Dachflächen genutzt werden. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht die Nutzung von Ackerflächen für riesige Solarparks kritisch. Wie der Bayerische Bauernverband vertritt auch der BUND den Standpunkt, Ackerflächen sollten der Nahrungs- und Futtermittelproduktion dienen.



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Kommentare

Tom Schroeder am 03.08.21, 18:46 Uhr

Dieser grün-kram ist im Endeffekt genau das Gleiche wie die braune Scheiße (sorry, ist so!) in der 30ern. Die kriegen alles kaputt, diese Deppen und der Michel läuft denen noch hinterher - ist Demokratie überhaupt für Deutschland geeignet? Hätten wir sie nicht, dann wäre es noch schlimmer fürchte ich!

Hans-Joachim Hunger am 03.08.21, 15:31 Uhr

Die geschilderte Entwicklung ist - bezogen auf die Bundesrepublik - ein Sammelsurium politischer und berufsständiger Fehlentscheidungen, die gerne von den Verantwortlichen verharmlost bzw. verschwiegen werden.
Dazu nur zwei Beispiele.
Erstens der panisch-hysterische Ausstieg aus der Nutzung der Atomstromproduktion.
Zweitens die von berufsständischen Vertretern von den Landwirten geforderte Anpassung an eine industrielle Agrarwirtschaft und den Weltmarkt unter Vernachlässigung bewährter genossenschaftlicher Vermarktungswege, die zur einseitigen Dominanz des Lebensmitteleinzelhandels geführt haben.

Siegfried Hermann am 02.08.21, 09:30 Uhr

Das Thema Vogelschredder, gemachte (!!!) Trockenheit und Solar-fake-Strom-Blödsinn wurde in der PAZ schon öfters vorgestellt.
Das die Landwirte mit Nahrungsmittel nix mehr verdienen sollen ist polidiesch gewollt!!!
link: Gates größter US-Bauer, bewusst geplante Nahrungsmittel-verknappung und Hungersnöte.
Warum das ausgerechnet in Bundesmutti Vorgarten jetzt dramatisch gesteigert werden soll, wäre eine Recherche wert!
Ergo:
So dumm und naiv kann selbst der verblödeste Dorfdepp nicht sein, das er nicht bemerkt, das auf seinen Hof -bald- was gewaltig faul ist.
Naja.

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