07.05.2021

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden

Kindheit in der Pandemie

Und es hat Rums gemacht

„Ich habe gar keinen mehr zum Spielen“: Vom Leben eines Fünfjährigen im x-ten Lockdown – der Erfahrungsbericht einer Mutter

Christiane Rinser-Schrut
14.02.2021

Das Regal fiel, und Gott sei Dank lagen nur sämtliche Bücher und CDs darunter begraben und nicht der fünfjährige Julian, der, um seinem kleinen Bruder ein Geburtstagsgeschenk zu verpacken, eine CD aus seinem Regal holen wollte. Zu dumm nur, dass er noch nicht ganz rankam. So kletterte er kurzerhand auf die ersten Bretter und konnte noch rechtzeitig abspringen.

Wie konnte es dazu kommen? Kindergarten- und Vorschulkinder wie Julian brauchen Anleitung und Hilfe, um das zu machen, was sie machen dürfen, können und wollen. Die Scheren, der Klebstoff – alles liegt gut verpackt im Schrank, in dem sich auch eine Bastelunterlage befindet, damit nicht wieder der Abend damit verbracht wird, den Küchentisch von Kleberesten zu befreien. Nur leider liegen sie außerhalb seiner Reichweite.

Das Spielen allein macht auch nur eine bestimmte Zeit des Tages aus. Irgendwann wird es ihm langweilig, und der kleine Strolch schleicht vom Schreibtisch seiner schulpflichtigen Schwester zum Arbeitsplatz der Eltern – und geht enttäuscht wieder in sein Zimmer, weil keiner für ihn Zeit hat, ihm aber auch Aufgaben fehlen, die ihn ohne Hilfe seiner Eltern beschäftigen könnten.

Psychosomatische Leiden
Nachdem das zweite Malbuch am Tag bekritzelt wurde, das dritte LÜK-Rätsel gelöst ist, die Spielzeugwelten aufgebaut, bespielt und wieder abgebaut wurden, ist es gerade mal zehn Uhr. Erst nach dem Mittagessen hat seine Schwester endlich Zeit, mit ihm zu spielen. Auf die Frage, was er sich am meisten wünscht, antwortet er schüchtern, dass jemand Geburtstag hat, weil im letzten Lockdown Geburtstagsfeiern mit mehreren Kindern noch erlaubt gewesen sind.

Er hat es schon aufgegeben, sich zu wünschen, dass er endlich mit seinen Freunden in der Kita wieder toben kann. Das Spielen unter freiem Himmel können sich auch nur Eltern erlauben, die eine solche Gelegenheit haben, ihr draußen spielendes Kind zu beaufsichtigen und gleichzeitig zu arbeiten, beispielsweise im eigenen Garten. Mit einem Spielplatz zwei Straßen weiter kommen wir da leider nicht weit.

So hat neben allem anderen seine Fitness ganz schön zu leiden. Von befreundeten Familien hört man, dass ihre Kinder schon psychosomatische Leiden entwickeln wie das schwere Luftholen, was in der Literatur auch als Lufthunger bezeichnet wird. Die Gefühlslage ist bei keinem im Lot, natürlich auch nicht bei den Kindergarten- und Vorschulkindern. So fließen reichlich Tränen, Schlafenszeiten werden gnadenlos gerissen, und das Durchschlafen im eigenen Bett ist auch nur eine Wunschvorstellung der Eltern. Man möchte seinen Kleinen immer nur knuddeln, gerade wenn solche Aussagen fallen wie „Ihr habt mich gar nicht mehr lieb!" oder „Ich habe gar keinen mehr zum Spielen." Und doch ist man – gefühlt – viel am Schimpfen, weil der eingespielte Tagesablauf völlig aus dem Takt geraten ist.

Weinend am Bein der Eltern
Mancher Kindergarten hat sich zur Aufgabe gemacht, Kindern ein – wenn auch nur kurzes – Programm zu bieten. Hierzu zählen Onlinesitzungen mit Bastelzeit. Oder Unterlagen können in der Kita abgeholt werden. Doch kann jeder Fünfjährige eine Zoomsitzung starten? Tatsächlich bedarf es wieder der Vorbereitung der Eltern. Da müssen Kreise vorbereitet, ein Bastelplatz eingerichtet, der Schwester das Notebook entrissen und die eigene Telefonkonferenz unterbrochen werden, damit der Junge mal was anderes erlebt.

Eine Freundin sagte neulich: „Ich bin jetzt schon auf der Suche nach Feenstaub." Andere Kindertagesstätten können Live-Morgenkreise gar nicht mehr anbieten, weil die Mitarbeiter angehalten sind, zu Hause zu bleiben, die Notgruppensituation aber eine Zusatzleistung der Erzieher nicht mehr zulässt.

Was können wir als Eltern tun? Wir könnten die Kinderkrankentage nutzen. Aber machen wir das? Nein, denn wir sind froh, arbeiten zu können. Da geht es anderen viel schlechter. Man denke nur an die Mitarbeiter von insolventen Einzelhändlern.

Planungssicherheit könnte helfen, doch was vonseiten der Bundesregierung und seitens der Länder kommt, ist, um es diplomatisch auszudrücken, schwierig. Schulen sollen auf den Präsenzunterricht verzichten, Kindertagesstätten haben Notbetreuung. In der Zeitung „Die Welt" heißt es: „16 Bundesländer, 16 unterschiedliche Konzepte". Hören Sie auch die Titelmelodie von Pipi Langstrumpf? In einigen Bundesländern gibt es Lockerungen, Mecklenburg-Vorpommern will die Schüler wieder in die Schulen lassen. Was ist aber mit den Kindergarten- oder gar den Krippenkindern? Wenn die Kitas wieder ganz öffnen dürfen, müssen viele eine neue Eingewöhnung durchleben. Bei den älteren Kindergartenkindern wird es nicht viel anders sein. So sehr sie es sich wünschen, in die Kita zu dürfen, so gewiss ist auch, dass Kinder, die von Natur aus eher schüchtern sind, wieder weinend am Bein ihrer Eltern hängen, weil sie gar nicht wissen, was sie nun dürfen und was nicht.

Kinderrechte neu ins Grundgesetz?
Ähnlich sieht es für die Schulkinder aus. Wird es wieder einen Hybridunterricht geben? Gott bewahre! Hybridunterricht handhabt jede Schule ganz individuell. Meistens werden die Klassen in je zwei Gruppen geteilt. Die erste Gruppe darf dann in der Schule unterrichtet werden, die andere arbeitet von zu Hause aus. So weit, so gut. Aber in vielen Schulen wird nicht wochenweise vorgegangen, sondern tage- oder gar stundenweise. Montags von zehn bis zwölf Uhr, mittwochs von acht bis zehn Uhr. Nur, wie kommen die Schüler, die noch nicht allein zur Schule gehen können, dort pünktlich hin? Flexible Arbeitszeiten sind auch kein Allheilmittel, weil sich so die Arbeitszeit nur noch weiter in den Abend verlagert und von der gemeinsamen Familienzeit nichts bleibt, von der guten Laune ganz zu schweigen.

Da gerät es zur Farce, dass Kinderrechte nun ins Grundgesetz geschrieben werden sollen. Ergänzt wird Artikel 6, Absatz 2: „Die verfassungsmäßigen Rechte der Kinder einschließlich ihres Rechts auf Entwicklung zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten sind zu achten und zu schützen. Das Wohl des Kindes ist angemessen zu berücksichtigen. Der verfassungsrechtliche Anspruch von Kindern auf rechtliches Gehör ist zu wahren. Die Erstverantwortung der Eltern bleibt unberührt." So steht es auf der Internetseite der Bundesregierung. Das Recht auf Entwicklung? Ja, wir haben das Regal nun zweifach an der Wand festgeschraubt.



Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentare

Manfred Bartl am 16.02.21, 05:27 Uhr

Tragisch ist doch, dass diese Maßnahmen der Bekämpfung einer Variante der Grippe dienen und jedes Maß überschreiten. Anstatt aber im Bundestag die "epidemische Lage von nationaler Tragweite" endlich sachgerecht zu beenden, versuchen immer noch unfassbar viele Interessierte bei dem Hoax mitzuspielen: Theater ruhig öffnen, alt mit tollen Hygienekonzepten; Friseure seien doch auch in Hygiene versiert, da wird man doch öffnen können; KiTas & Schulen öffnen mit Luftfilteranlagen; manche erwägen gar tägliche Tests (für alle) oder sich die als "Impfung" gedachte mRNA-Transfektion verpassen zu lassen… WAS IST LOS? Einfach den Irrsinn zurückdrängen, NIE MEHR Drosten oder Lauterbach anhören und nur wieder normal leben. Das sollte keine Probleme bereiten…

Siegfried Hermann am 14.02.21, 10:28 Uhr

Den Erfahrungswert kennen wohl viele Eltern. Was hier unsere, oft KINDERLOSEN (!!), Elitepolitiker uns aufzwingen, sollten sie auch gefälligst auslöffeln und den Kindern das auch 1:1 beibringen, wer dafür verantwortlich ist.
btw
" Kinderrechte" neu ins Grundgesetz.
Lasst euch nicht blenden. Das ist alter Margot-Honnecker-Psychopathenwahn-Sprech in neue Schläuche verpackt! Hier sollen Elternrechte dermaßen ausgehöhlt werden, dass jeder hardcore-Stalinist in Kita, Schule, oder Behörde zu jeden x-beliebigen Grund und einfach aus verdacht Eltern die Kinder wech genommen werden können und dieser Saxxhaufen das auch noch als "Recht und Gesetz" uns doofen Michel verkaufen will.
Kinder von AfD-Anhängern, oder gar Parteifunktionären ab in den Erziehungs-Gulag FdJ, um die Kinder den Eltern völlig zu entfremden, wie damals bei "Republik-Flüchtlingen".
Und eine paranoide HJ-Propaganda-Erziehung von der Wiege auf, nur das diesmal das von der links-bunt-faschistischen Soros-NWO-Seite kommt.
Wehret den Anfängen!
Wie sagte jüngst Hans-Georg Maaßen im Interview: Wenn eine Regierung und Administration nicht mehr willens ist für das Wohl des Volkes zu arbeiten, MÜSSEN sie gefeuert werden!
Denn ma tau!

Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!