04.02.2023

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Karolina Kuszyk: „In den Häusern der Anderen. Spuren deutscher Vergangenheit in Westpolen“, Ch. Links Verlag, Berlin 2022, 400 Seiten, 25 Euro
Karolina Kuszyk: „In den Häusern der Anderen. Spuren deutscher Vergangenheit in Westpolen“, Ch. Links Verlag, Berlin 2022, 400 Seiten, 25 Euro

Zeitgeschichte

Vertriebenen auf der Spur

Die polnische Autorin Karolina Kuszyk beschreibt die Nachkriegsgeschichte und die deutsche Vergangenheit ihrer Heimatstadt Liegnitz

Dirk Klose
21.01.2023

Nach der deutschen Niederlage 1945 waren alle Deutschen und überhaupt alles Deutsche jenseits von Oder und Neiße vogelfrei. Soweit sie nicht geflohen waren, wurden sie vertrieben. Fast all ihre Habe mussten sie zurücklassen.

Karolina Kuszyk stammt aus Liegnitz [Legnica]. Durch immer wieder auftauchende Zeugnisse deutscher Vergangenheit neugierig geworden, hat sie sich mit deutschen Zeugnissen befasst. Aus Quellen, Interviews mit Wissenschaftlern und Hunderten Gesprächen mit Nachfahren damaliger Neusiedler entstand dieses thematisch ungemein breite, in manchen Passagen berührend erzählte Buch.

Schlagwort ist „poniemiecki – postdeutsch“. In Häuser und Wohnungen der Deutschen zogen 1945 unter anderem auch polnische „Repatrianten“ (so der offizielle Terminus). War die Häuslichkeit gut erhalten, wurde sie weitergenutzt. Andererseits kam es oft vor, dass plündernde Banden die Wohnungen ausraubten oder verwüsteten. Eine Obrigkeit schritt nicht ein, erst 1946 wurde mit dem staatlichen Liquidationsamt eine gewisse Ordnung erreicht.

Was das Buch so anschaulich macht, sind die vielen Einzelschicksale. Heutige Bewohner erzählen, wie Eltern oder Großeltern deutsche Habe übernahmen (manche Frau ging in deutschen Kleidern zum Tanz) oder den „gottserbärmlichen deutschen Plunder“ einfach wegwarfen. Die Befragten berichten von Hausrat, Inventar, Kleidern, Bildern und Schmuck, die nach einer mancherorts zur Manie gewordenen „Schatzsuche“ oft vergraben gefunden wurden.

„Jede Familie hat ihren Deutschen“

Ein eigenes Kapitel widmet die Autorin ihrer Geburtsstadt. Liegnitz war gleichzeitig sowjetische Garnison, mithin vom Deutschtum und der Sowjetisierung (in Polen nannte man Liegnitz „Klein Moskau“) gleichermaßen geprägt. Die Autorin schildert ausführlich das Schicksal einer deutschen, 1945 vertriebenen Familie. Die aus ihr stammende Schriftstellerin Barbara Siwik hat sich für eine Versöhnung zwischen Deutschen und Polen eingesetzt.

Heute ist das Deutsche wieder en vogue. „Die Deutschen kommen nicht zurück, aber das Deutsche.“ Museen sammeln Zeugnisse aus der Vergangenheit, Friedhöfe werden instandgesetzt, alte deutsche Postkarten sind auf Flohmärkten ein Renner. Die zahllosen Begegnungen von Polen und deutschen „Heimwehtouristen“ haben vielerorts zu engen Bindungen geführt. An der Oder, sagt eine junge Polin, „gibt es heute Dörfer, in denen fast jede Familie ihren Deutschen hat“.


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