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Jürgen Sarnowsky: „Der Deutsche Orden“, C.H.Beck Verlag, Reihe Beck Wissen, München 2022,128 Seiten, 9.95 Euro
Jürgen Sarnowsky: „Der Deutsche Orden“, C.H.Beck Verlag, Reihe Beck Wissen, München 2022,128 Seiten, 9.95 Euro

Geschichte

Verwoben mit dem Ordensstaat

Jürgen Sarnowsky berichtet von der politischen und militärischen Bedeutung des Deutschen Ordens sowie seiner deutschen und polnischen Rezeption

Dirk Klose
21.05.2022

Der Deutsche Orden ist zwischen Polen und Deutschen bis heute ein Zankapfel. Beide Seiten verklärten ihn geradezu, die Deutschen mit Blick auf die Jahrzehnte dauernden Feldzüge gegen die „Heiden“ und den glorifizierten Sieg gegen die Moskauer Großfürsten 1502 am Smolinasee, die Polen mit der alles überragenden Schlacht von Tannenberg (polnisch Grunwald) im Jahre 1410.

Der Hamburger Historiker Jürgen Sarnowsky hat jetzt eine frühere Darstellung der Ordensgeschichte von ihren Anfängen bis in unsere Tage streng nüchtern aktualisiert. Gleichwohl liest sein Buch sich wie ein spannender Roman und macht die Emotionen bis heute verständlich. Der Orden war im Zusammenhang mit den Kreuzzügen zuerst eine Spitalgemeinschaft. 1190 wurde er vom Papst neben den Templern und Johannitern zum – auch militärischen – Ritterorden erhoben, der sich bald über das Mittelmeer und dann nördlich der Alpen ausbreitete.

Im 13. Jahrhundert konzentrierte er sich auf die Missionierung im Osten, zuerst in Ungarn, dann im Baltikum, wo mit dem Ordensstaat eine florierende Herrschaft entstand. In den andauernden Kriegen gegen die erstarkenden Staaten Polen und Litauen zog er aber am Ende den Kürzeren. Die verheerende Niederlage bei Tannenberg läutete den Niedergang ein. Ein Jahrhundert später (1525) wandelte Hochmeister Albrecht von Brandenburg den Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum unter polnischer Lehnshoheit um.

Der Autor hat sich vorwiegend auf die politische und militärische Geschichte des Ordens, auf die andauernden Kriege, auf Siege und Niederlagen konzentriert Dabei wurde der Ordensstaat seinerzeit wegen seiner effektiven Wirtschaft, Landwirtschaft und Verwaltung in ganz Europa bewundert und nachgeahmt. Sehr ausführlich ist das Literaturverzeichnis und eine Auflistung aller Hochmeister von 1198 (Heinrich Walpot) bis heute (seit 2018 Frank Bayard). Denn der Orden hat dann doch die Jahrhunderte überlebt. Heute ist er mit Zentrum in Wien eine katholische Gemeinschaft von Priestern und Schwestern mit vorwiegend karitativen und sozialen Aufgaben.

In Summa ist das schmale Bändchen eine höchst verdienstvolle Einführung in ein komplexes Thema, von dem der Autor hofft, es könne mehr und mehr das Bewusstsein für eine gemeinsame europäische Geschichte wecken. In der Tat ist ja die Geschichte beider Länder wirklich eng mit dem Ordensstaat verwoben.



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