26.05.2024

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Tradition

Von Bräuchen und Gänsen an St. Martin

„Zinsen“ mit Federn – Der Gänsemarkt im Freilichtmuseum in Schwolow bei Stolp in Hinterpommern

Brigitte Stramm
10.11.2023

Zu den Bräuchen im Verlauf des Jahres gehören am St. Martinstag am 11. November Umzüge mit selbst gebastelten Laternen, die von dem heiligen St. Martin auf dem Pferd angeführt werden. Das wird besonders in den katholischen Gegenden Deutschlands zelebriert.

Ansonsten verbindet man zumeist den Martins-Tag mit der ebenso genannten Gans. Der November war das Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres, das Vieh wurde zurück in die Ställe getrieben und auch waren die Steuern fällig, die früher auch mit Naturalien bezahlt wurden, auch in Gänsen. An diesem Tag begannen und endeten Dienstverhältnisse, Pacht-, Zins- und Besoldungsfristen. Landpachtverträge beziehen sich bis in die heutige Zeit noch häufig auf Martini als Anfangs- und Endtermin, da der Zeitpunkt dem Anfang und Ende der natürlichen Bewirtschaftungsperiode entspricht. Der Martinstag wurde aus diesem Grund auch Zinstag genannt.

Im Freilichtmuseum für Volkskultur Pommerns in Schwolow [Swołowo], einer Niederlassung des Museums Zentralpommerns in Stolp [Słupsk], findet am Wochenende des 10. bis 12. Novembers zum 15. Mal ein Gänsemarkt statt, auf dem zahlreiche Aussteller alles rund um die Gans zu bieten haben. So findet man neben kulinarischen Spezialitäten vielfältiger Art, auch andere bäuerliche Erzeugnisse und Kunsthandwerkerarbeiten.

Sehr interessant sind Vorführungen, die zeigen, wie früher in der Gemeinschaft die Hühner- Enten- und Gänsefedern verarbeitet wurden. So kann man in Arbeitsgruppen von einer Kräuterärztin lernen, wie Beinwellsalben auf Basis von Gänsefett hergestellt werden. Auch Spinnen und Weben gehörten damals zu Tätigkeiten, die in diese Jahreszeit verlegt wurden und die gezeigt werden.

Natürlich sollte man es sich nicht nehmen lassen, das alte Bauerndorf Schwolow zu erkunden. Das große Angerdorf liegt etwa 13 Kilometer westlich von Stolp. Im Jahre 1240 war es Eigentum der Johanniter und im 14. Jahrhundert derer von Below. 1536 wurden die von Schwawe und später Peter von Glasenapp als Besitzer genannt. Danach unterstand es mit weiteren königlichen Dörfern dem Amt Stolp.

1939 gab es hier insgesamt 39 landwirtschaftliche Betriebe mit 342 Einwohnern, die 1946 vertrieben wurden. Heute leben in dem Dorf zirka 240 Einwohner.

Die Schwolower Kirche mit einer schlichten Innenausstattung wurde um 1400 aus Ziegeln auf Feldsteinmauerwerk errichtet. Eine der Glocken der Schwolower Kirche befindet sich heute in der Trinitatis-Kirche in Braunlage, mit einer weiteren Glocke aus Pommern, die vom Hamburger Glockenfriedhof gerettet wurden.


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Kommentare

Gregor Scharf am 10.11.23, 11:11 Uhr

Es hat zwar nicht zwingend etwas mit dem Thema zu tun, doch erinnert das Bild an meine Kindheit in den Ferien bei den Großeltern. Gänsehüten. Mit den Gänsen, der Ganter war größer als ich und ein imposanter Macho, ging es ab zum Teich, wo zahlreiche andere Kinder mit ihren Gänsen eintrafen. Den Rückweg fanden die gefiederten Freunde von allein. Man musste nur nachhelfen, weil jedes Grasbüschel abgezupft wurde. Was für herrliche Zeiten - Friedenszeiten. Übrigens, wer es noch nicht wusste, gilt die Gans in den deutschen Märchen stellvertretend für das All. Wer Gänse hütet, ist somit vertrauensvoll und ein Beschützer der Welt.
Was für ein Gegensatz zum Leben in der Gegenwart mit unnützem Zeug im Internet.

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