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Moderne Farbenpracht: Gerhard Richters drei Chorfenster in Tholey
Foto: paModerne Farbenpracht: Gerhard Richters drei Chorfenster in Tholey

Kunst

Vorsicht vor der Bildhalluzination

Gerhard Richter als sakraler Künstler. Die saarländische Abtei Tholey schmückt sich mit exklusiven Chorfenstern

Veit-Mario Thiede
07.10.2020

Unter Berufung auf eine im Jahre 634 abgefasste Urkunde rühmt sich die Benediktinerabtei Tholey, das älteste Kloster auf deutschem Boden zu sein. Mit den neuen Kirchenfenstern nach Entwürfen des weltberühmten Künstlers Gerhard Richter steht der abgelegene saarländische Ort plötzlich im Blickpunkt der internationalen Öffentlichkeit.

Nur knapp entging die 40 Kilometer nördlich von Saarbrücken gelegene Abtei 2008 der Pleite. Für die wirtschaftliche Konsolidierung sorgten Landverkauf sowie Zuwendungen von staatlicher und privater Seite. Das ermöglichte dringend nötige Bau- und Sanierungsmaßnahmen. Die Abtei weist nun einen den Mönchen vorbehaltenen Landschaftsgarten auf, verfügt über einen den Besuchern zugänglichen Park nach barockem Vorbild und hat neue, kunstvoll geschmiedete Eingangstore.
Entscheidenden Anteil an der Neugestaltung hat die mit der Herstellung von Autobahnleitplanken, Gitterrosten und Metalltreppen erfolgreiche Unternehmerfamilie Meiser. Ihre jüngste stifterische Großtat war die Finanzierung der in den beiden letzten Jahren durchgeführten Sanierung der Abteikirche.

Die ab 1260 errichtete Kirche gehört zu den ältesten gotischen Bauwerken Deutschlands. Das neben der Abtei gelegene Museum Theulegium informiert über die Kirche und ihre Vorgängerbauten. In der altehrwürdigen Abteikirche ist nun vieles neu: die Lichtregie, die Tonanlage und das Glockenwerk.

Die imposante Orgel wurde überholt, etwa 3500 Mauersteine wurden ausgetauscht, viele Blattwerkkapitelle neu gemeißelt – und die Fenster neu gestaltet. Den dazu von der Abtei ausgeschriebenen anonymen Wettbewerb gewann – ausgerechnet – eine afghanische Künstlerin muslimischen Glaubens: Mahbuba Maqsoodi. Die meisten ihrer 34 Bildfenster sind bereits eingebaut. Sie zeigen Heilige und biblische Szenen.

Für den Entwurf der drei Fenster des Hauptchores konnten die Mönche Gerhard Richter begeistern. Nach ihrer Vollendung ließ der 88 Jahre alte Künstler verlauten, sie seien sehr wahrscheinlich sein letztes großes Werk. Seine Tholeyer Fenster bieten das genaue Gegenteil der wuchtigen Gegenständlichkeit Maqsoodis. Denn Richters abstrakte Formen und Muster wirken filigran.

34 Bildfenster von einer Muslimin

Und doch harmonieren die Fenster des Künstlers und der Künstlerin. Das liegt an den gleichartig bunten Farbtönen und sicher auch daran, dass sie allesamt aus der Münchner Glaswerkstatt Gustav van Treeck hervorgegangen sind. Die beschreibt ihre Arbeit so: „Unterstützt von intensiver digitaler Vorarbeit entstehen die Richter-Fenster als Sandwich-Verglasungen unter Verwendung verschiedenster Techniken wie dem Ätzen von Überfanggläsern, Glasmalereien, Siebdrucken und Sandstrahlarbeiten."

Der am besten bezahlte Künstler der Welt lieferte seine Entwürfe kostenlos. Sie stammen aus Richters 2012 veröffentlichtem Künstlerbuch „Patterns", dessen farbige Muster aus der digitalen Bearbeitung eines seiner abstrakten Gemälde hervorgegangen sind.

Die jeweils 1,95 Meter breiten und 9,3 Meter hohen Lanzettfenster weisen mehrere Muster auf, die sich vertikal und horizontal gespiegelt wiederholen. Schnell bekommt man „Bildhalluzinationen" in Form verzerrter Gesichter und Figuren oder von Dingen wie zum Beispiel überdimensionalen Sanduhren und Springbrunnen mit goldenem Wasser. Für Richter „sehen sie aus wie orientalische Muster, halb abstrakt, halb erzählerisch".

Abt Mauritius Choriol beurteilt die Motive so: „Diese Fenster werden den Hintergrund für die ganze Liturgie darstellen. Ich finde es wunderbar, dass das letzte Geheimnis, also das Gottesgeheimnis, das letzte Mysterium nicht figürlich dargestellt wird. Denn es ist zutiefst christlich, dass wir in diesem Leben kein Bild von Gott haben."

Der Konvent hofft, dass die Kunstfreunde in hellen Scharen zu den Richter-Fenstern pilgern. Die Kunst soll somit wie auch die Sanierungsmaßnahmen und das neue Nutzungskonzept das langfristige Bestehen der Abtei sichern. In ihr widmen sich zwölf Benediktiner im Alter von 24 bis 75 Jahren der Seelsorge und betreiben ein Gästehaus.

Die St. Mauritius Tholey GmbH ist für die touristische und kommerzielle Erschließung der Abtei zuständig. Im Oktober eröffnet sie den 72 Produkte führenden Klosterladen und das Besucherzentrum, in dessen Obergeschoss Seminare zur Selbstoptimierung veranstaltet werden. Besucher der Klosteranlage bezahlen Eintritt zu deren Erhalt. Mit drei Euro ist das erschwinglich. Wer Richters Fenster im Chorraum aus nächster Nähe betrachten will, muss ab 7,50 Euro pro Person eine Führung mit Besichtigung des Altarraums buchen.

Abtei Tholey, Römerallee 5. Geöffnet Montag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, dienstags ist Ruhetag.
www.abtei-tholey.de



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Kommentare

Siegfried Hermann am 08.10.20, 09:52 Uhr

...von der Abtei ausgeschriebenen anonymen Wettbewerb gewann – ausgerechnet – eine afghanische Künstlerin muslimischen Glaubens....

Wer´s glaubt wird selig. Die Motive der anderen Bewerber waren wohl zu christlich!? Und was haben islamisch, oriental geprägte Motive in einer urchristlichen Kirche zu suchen???
Über Geschmack und Motive lässt sich bekanntlich herrlich streiten.
Das hier mit Millionen private Spender - mal wieder-
aushelfen müssen, um unsere Identität zu sichern und gleichzeitig unsere bunte islamhörige Regierung
MRD (!!) für diese Schwachsinns-Ideologie und Bauunterhaltung deutscher christliche Steuergelder verbrennt, macht nur noch wütend und spricht Bände mit aller Macht westlich-christliche Kulturzerstörung zu betreiben.
So kann man nur hoffen, das der Abtei in Zukunft Erfolg beschieden ist.

sitra achra am 07.10.20, 11:32 Uhr

Diese pompösen und kostspieligen Ausgestaltungen sind eigentlich nur hohler, allerdings den Sinnen schmeichelnder Zierrat. Und was soll der Hinweis, eine Muselfrau habe bei der Gestaltung mitgewirkt? Alles Enzyklika tutti frutti, oder was?
Leider lässt sich nicht verheimlichen, dass die Stätten der Christenheit in Europa geschändet oder in Brand gesteckt werden. Das wird verschämt unter den Teppich gekehrt, die Täter werden nicht benannt. Wird aber mal eine Museltrutzburg beschmiert, ist in den Medien die Hölle los.
Mit dem Glauben der Europäer hingegen ist es arg schlimm bestellt. Sie haben sich mehrheitlich von ihrer jahrtausende alten christlich geprägten Kultur abgewandt.
Jetzt nagen die Termiten, von ihnen so gewollt, an deren Fundamenten. Sie wollen sie durch gewaltsamen Multikulturalismus und ethnischen Egalitarismus ersetzen.
Damit werden sie krachend scheitern.
Mein Mitleid gilt ihnen jedenfalls nicht.

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