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Wache-Kruzifix verbindet Deutsche und Polen

In Pfarrer Franz Scholz’ Heimatgemeinde schlägt ein Kreuz eine historische Verbindung

Chris W. Wagner
05.03.2023

Ein etwa 50 Zentimeter großes Holzkreuz steht seit Sonntag, dem 26. Februar, vor dem linken Seitenaltar der katholischen Sankt-Bonifatius-Kirche im zur Republik Polen gehörenden Teil der Neißestadt Görlitz [Zorzelec]. Daneben informiert eine Tafel über den Erschaffer des Werkes, Oskar Wache. „Möge dieses Kreuz ein Zeichen der Verbundenheit zwischen den Menschen in der Europastadt Görlitz [Zgorzelec] sein und bleiben“, ist darauf in polnischer und deutscher Sprache zu lesen. Das Kruzifix des Bildhauers Oskar Wache (1892–1980) steht zu dem Gotteshaus in einer besonderen Verbindung. Wache hatte 1934/35 für die St.-Bonifatius-Kirche die beiden Seitenaltäre geschnitzt, die heute ohne deutsche Beschriftung im Eingang der Kirche stehen.

Einsatz für die Völkerverständigung

Waches Großneffe, Christian Kuberski, übergab das Holzkreuz während eines Gottesdienstes in die Hände des Pfarrers Maciej Wesołowski. Auf diese Idee der Schenkung kam der in Erfurt lebende und aus Görlitz stammende Kuberski bereits 2017, als er auf Heimatbesuch war. Er wohnte damals der deutsch-polnischen Brückepreisverleihung bei. Mit diesem Preis werden alljährlich Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich für die Völkerverständigung stark machen. 2017 wurde der Oppelner Erzbischof Emeritus Alfons Nossol ausgezeichnet. „Professor Nossol hatte im Görlitzer Gerhart-Hauptmann-Theater seine Ansprache gehalten und dabei kam mir der Gedanke: ‚Mensch, du hast doch ein Kreuz – dieses versuchst du als Zeichen der Verbundenheit unserer Völker zu stiften.' Ich kenne Erzbischof Nossol gar nicht persönlich, es war jedoch der Anlass, der mich auf die Idee brachte“, erinnert sich Kuberski.

Vertrieben aus der Heimat Bad Warmbrunn

Der Bildhauer Oskar Wache lebte und arbeitete im Niederschlesischen Bad Warmbrunn [Cieplice Śląskie-Zdrój], von wo er nach dem Krieg nach Bayern vertrieben wurde. Dort musste er anfangs als Möbelbauer sein Brot verdienen. „Er hinterließ Wegweiser, Gebrauchsgegenstände, aber auch sakrale Kunst“, so der Großneffe. Kuberskis Mutter hatte die familiäre Verbindung von Schlesien nach Bayern aufrechterhalten. Das Kruzifix habe sie von ihrem Vater, dem Bruder des Künstlers, geschenkt bekommen, sagt Kurberski. „Als ich den Haushalt meiner Mutter auflöste, fand ich dieses Kreuz. Ich wollte wissen, ob es in Bayern noch Verwandte gibt, die mir mehr darüber berichten konnten“, sagt er. Er fand eine Cousine seiner Mutter, der er nach 60 Jahren wiederbegegnete. Sie ist Mitte 80 und hat die lange Reise aus Bayern nach Niederschlesien nicht antreten können, aber „sie ist heute im Gebet mit uns verbunden“, sagt er.

Das Kreuz erhält einen angemessenen Platz in der Kirche

Dekan Wesołowski versprach, dem Wache-Kreuz einen angemessenen Platz in seiner Kirche zu schenken. Den Gottesdienst hielt er mit dem Görlitzer Dompropst Alfred Hoffmann, der für das deutsche Bistum Görlitz anwesend war. Dompropst Hoffmann ist Mitglied des Stiftskapitels der Wallfahrtskirche in Grüssau [Krzeszów] – dem katholischen Wallfahrtsort im Bistum Liegnitz [Legnica]. Er hatte die Rede des Kreuzstifters Kuberski ins Polnische übersetzt. Mit Dekan Wesołowski verbindet Dompropst Hoffmann eine freundschaftliche Beziehung. Beide waren neben dem Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt, Ehrendomkapitular des Bistums Liegnitz und Prälat Peter C. Birkner Initiatoren einer Gedenktafel für den Geistlichen Franz Scholtz.

Dieser war an der Sankt-Bonifatius-Kirche in der heutigen ulica Emilii Plater als Pfarrer tätig und hinterließ der Nachwelt sein bekanntes Görlitzer Tagebuch 1945/46 über die Vertreibung – die wohl bekannteste Verarbeitung des Exodus aus dieser Zeit. Scholz hatte im Krieg auch die Kriegsgefangenenseelsorge für das Stammlager VIII A am östlichen Stadtrand von Görlitz inne. In dem Lager der deutschen Wehrmacht waren Kriegsgefangene vieler Nationen im Zweiten Weltkrieg untergebracht. Etwa 10.000 von ihnen starben infolge von Krankheiten, Hunger und Erschöpfung. Pfarrer Scholz zelebrierte im Lager Gottesdienste und nahm die Beichte ab. 2018 wurde am Haus, in dem Scholz in Ostgörlitz gewohnt hatte, eine Gedenktafel eingeweiht.


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