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Martin Hamel hat mit Liebe und Sorgfalt etwa 500 Briefe seines Vaters zu einer wichtigen Dokumentation mit Fotos zusammengestellt
Mit Liebe und Sorgfalt hat sich der Pfarrer i.R. Martin Hamel jun. aus Bad Salzuflen nach seinem Eintritt in den Ruhestand einem literarischen Mammutwerk gewidmet: der Herausgabe von fast 500 Feldpostbriefen seines Vaters aus dem Ersten Weltkrieg nach wissenschaftlichen Kriterien.
Der Titel des Buches „Mein lieber kleiner Junge! Der Briefwechsel meines Vaters im Ersten Weltkrieg“ deutet auf das innige Verhältnis zwischen Eltern und Kindern der vierköpfigen väterlichen Familie hin. Martin Hamel sen. wurde 1896 in Cröllwitz, einem heutigen Stadtteil von Halle, geboren und lebte bei Kriegsausbruch in Eisleben als Gymnasiast in Pension. 1907 war die Familie nach Aschersleben umgezogen, wo sein Vater Johann Friedrich Hamel eine Stelle als Lehrer an der dortigen evangelischen Knaben-Mittelschule antrat.
Wie fast alle Schüler seiner Klasse meldete sich Martin Hamel sen. nach Kriegsausbruch 1914 als Freiwilliger zum Kriegsdienst. Im September 1914 begann die Korrespondenz mit seinen Eltern und der Schwester Hanna. Die sehr persönlichen, textgetreu dokumentierten Briefe geben aufschlussreiche Einblicke in den Kriegsalltag an der Westfront und daheim bei der Familie. Seinen Einsatz bei der Artillerie im Stellungskampf in Flandern hat der Vater des tiefgläubigen Autors überstanden. Anschließend absolvierte er ein Studium zum Elektroingenieur, schulte nach der Wirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre um und wurde Studienrat. Im Oktober 1945 strebte er wieder eine Anstellung als Studienrat an, als ihm zugetragen wurde, dass Kollegen, die sich beim Arbeitsamt melden sollten, spurlos verschwanden. Daraufhin setzte er sich über die grüne Grenze in den Westen ab. In Bad Salzuflen fand er eine Anstellung am Mädchengymnasium, wo er bis zu seinem Ruhestand 1962 unterrichtete. In seiner 1952 geschlossenen Ehe mit der Hallenserin Anneliese Najork, geb. 1915, kam 1953 der Autor dieses Buches zur Welt und 1956 dessen Bruder Johannes.
Die biographischen Daten und Angaben sowie Hintergrundinformationen sind im Vor- und im Nachwort des Autors übersichtlich zusammengestellt. Der kompakte Band ist mit zahlreichen Fotos, Dokumenten, Personenregister, Ortsregister der Feldpostbriefe, Literaturliste sowie einer zeitgenössischen Karte ausgestattet. Das Quellenwerk ist ein wertvoller Beitrag zur Zeitgeschichte und wurde in die Reihe „Chemnitzer Beiträge zur Politik und Geschichte“ der Technischen Universität Chemnitz aufgenommen.
Martin Hamel (Hg.): „Mein lieber kleiner Junge! Der Briefwechsel meines Vaters im Ersten Weltkrieg“, LIT Verlag, Berlin 2025, broschiert, 610 Seiten., 54,90 Euro